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Zwei Frauen mit Demo-Plakaten mit den Sprüchen: This "Pussy grabs back" und "Not because you have a sister, not because you have a mother, not because you have a daughter. Because she is a person."

Antifeminismus und Rechtsextremismus

3. August 2021

Wie sieht der Zusammenhang von Antifeminismus, Rechtsextremismus und Rassismus aus? Wenn man sich die folgenden Zitate anschaut kann man sehen: eine Menge (Achtung, Triggerwarnung!):

„Weltfrauentag! Gute Idee! Man könnte zur Feier des Tages ja mal wieder in den Puff gehen!“ (Achim Nieder, AfD)

„Das Problem an Fasching ist, dass du nicht sagen kannst, ob sie 14 oder 18 ist. Wenn du Pech hast, kommste an die 18 jährige.“ (Johannes Biesel, AfD)

„Das weiß ich doch, aber denk doch mal ein bisschen taktisch, Mäuschen. Bleib ruhig, du musst ein bisschen länger denken. Als Frau das ein bisschen schwer, ne? Du hast ein paar Hormone und Emotionen, kenne ich auch.“ (Christian Lüth, AfD)

„Frauenquote nützt übrigens nur unqualifizierten, dummen, faulen, hässlichen und widerwärtigen Frauen.“ (Heiner Merz, AfD)

Veronika Kracher gab einen einen genaueren Einblick

Um uns genauer anzusehen, wie der Zusammenhang von Antifeminismus und Rechtsextremismus aussieht, hat das Netzwerk gegen Rechts im Oberbergischen Kreis Veronika Kracher für den 08. Juli 2021 eingeladen. Als Referentin für die Antonio Amadeu Stiftung und Autorin des Buches „Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online Kults“ hat sie sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema „Frauenhass“ und seinen Bezügen zum Rechtsextremismus auseinandergesetzt. Wie Veronika Kracher in ihrem Beitrag erläutert, wird Feminismus nicht als eigenständige Bewegung begriffen, um sich von patriarchalen Zurichtungen zu befreien, sondern als jüdische Erfindung, um die herrschenden Verhältnisse zu zersetzen. „Antifeminismus wohnt dem Antisemitismus demzufolge eigentlich immer inne.“ Das Zielt dahinter ist „die Vernichtung der weißen Rasse. […]. Man spricht von einer „Umvolkung“ als jüdische Agenda zur Vernichtung der weißen Rasse.“

Referentin Veronika Kracher
© Dennis Pesch

Der Begriff „Umvolkung“ und der „große Austausch“

Umvolkung ist ein, aus der NS-Zeit stammender Begriff, der spätesten seit 2015 wieder verstärkt in der rechten Szene Verwendung findet: „In dem von der Neuen Rechten verwendeten Kontext bedeutet [er], dass zunehmend neue Migranten nach Europa kommen, während die europäischen Frauen aufgrund feministischer Indoktrination sich ihrer naturgegebenen Mutterrolle verweigern.“

Verbunden mit dem Begriff der „Umvolkung“ ist die Idee des „Großen Austauschs“. „welcher den verschwörungsideologischen und […] antisemitischen Kontext dieser Idee noch einmal mehr verdeutlicht. Der Begriff stammt aus der Feder des französischen Rechten Renauld Camus, […] der davon fantasiert, dass die französische, deutsche, generell: westliche Regierungen gezielt an der ‚Auflösung‘ des Volkes arbeiten.

Die Idee des ‚Großen Austauschs* ist treibendes Element der neuen Rechten. Sie wird von Donald Trump über die Identitäre Bewegung bis hin zu Brandon Tarrant vertreten: jenem Mann, der im März 2019 bewaffnet in eine Moschee in Christchurch, Neuseeland eindrang und 51 Menschen muslimischen Glaubens ermordete. Die Geburtenrate von Muslimen, so seine Begründung, sei viel höher als die von Weißen – er müsse seine Rasse retten. Die antisemitischen Attentate auf die Synagogen in Pittsburgh und Poway im Oktober 2018 und April 2019 und in Halle im Oktober 2019 als auch in Hanau im Februar 2020 waren ebenfalls eine gegen die jüdischen Mächte hinter dem ‚großen Austausch‘ gerichtete Racheaktion.

Bei der Idee des „Großen Austausch“ fallen also die Idee einer jüdischen Weltverschwörung, die antifeministische Forderung an Frauen, sich für das Volk wieder auf die Mutterrolle zu besinnen, der maskulinistische Wunsch nach traditioneller Männlichkeit und rassistische Zuschreibungen auf Men of Colour zusammen.

Die Opferrolle

Jene Männer – und wenigen Frauen – die dieser Ideologie anhängen und militant dagegen vorgehen wollen, würden sich selbst jedoch niemals als Aggressoren oder Täter beschreiben. Sie sind Opfer einer jüdischen Verschwörung, und dass sie bewaffnet in Synagogen eindringen ist kein Terrorismus, sondern ein legitimer Akt des Widerstandes!

Somit kann man die eigenen Taten vor sich selbst legitimieren: man tötet keine Juden, man tritt für die weiße Rasse ein. Betrachten wir das Video und das „Manifest“ des Attentäters von Halle: am Anfang spricht er davon, dass der Feminismus Schuld am Rückgang der weißen Geburtenrate sei, der Jude jedoch der Strippenzieher dahinter.“

Antifeminismus als Türöffner

Der Zusammenhang von Antifeminismus und Rechtsextremismus wird auch auch in der Autoritarismus-Studie der Universität Leipzig von 2020 deutlich: laut ihr ist Antifeminismus der Türöffner in die rechtsextreme Szene, und jeder vierte Mann (!) in Deutschland vertritt ein geschlossen antifeministisches Weltbild: „Antifeminismus ist eine politische Agenda, die sowohl ideologisch als auch personell sehr eng mit der radikalen und extremen Rechten einher geht.“ und gerade aus diesem Grund ist so wichtig, dass antirassistische Arbeit auch immer feministische Arbeit ist. Es ist notwendig zu erkennen, wie eng der Hass auf Frauen, die Abneigung von Emanzipation und Entfaltung und der Wunsch nach tradierten Normen, kulturellen einheitlichen Werten und einem hierarchischen System miteinander im Zusammenhang stehen.

(Urheberinnenrecht der Zitate: Veronika Kracher)

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